Routenübersicht

Montag, 10.06.2013

Routenübersicht

1. Tag     -     per Zug      Berlin Ostbahnhof - Amsterdam Centraal

                                       (Berlin - Haarlem      - per Mietwagen -)

2. Tag     -     per Rad      Haarlem - Amsterdam IJmuiden   -   ca. 15 Km

               -     per Fähre    Amsterdam IJmuiden - Newcastle North Shields

3. Tag     -     per Rad      Newcastle North Shields - Newcastle Central   -   ca. 15 Km

               -     per Zug       Newcastle Central - Inverkeithing

               -     1. Etappe      Inverkeithing - Perth   -   ca. 70 Km

4. Tag     -     2. Etappe      Perth - Pitlochry   -   ca. 60 Km

5. Tag     -     3. Etappe      Pitlochry - Newtonmore   -   ca. 65 Km

6. Tag     -     4. Etappe      Newtonmore - Carrbridge   -   ca. 60 Km

7. Tag     -     5. Etappe      Carrbridge - Inverness   -   ca. 45 Km

8. Tag     -     6. Etappe      Inverness - Fort Augustus   -   ca. 65 Km

9. Tag     -     7. Etappe      Fort Augustus - Glen Nevis   -   ca. 60 Km

10. Tag   -     8. Etappe      Glen Nevis - Glencoe   -   ca. 55 Km

11. Tag   -     9. Etappe      Glencoe - Crianlarich   -   ca. 60 Km

12. Tag   -     10. Etappe    Crianlarich - Comrie / Crieff   -   ca. 60 Km

13. Tag   -     11. Etappe    Comrie / Crieff - Stirling   -   ca. 50 Km

14. Tag   -     12. Etappe    Stirling - Edinburgh   -   ca. 75 Km

15. Tag   -      per Zug       Edinburgh - Newcastle

               -      per Rad       Newcastle - Newcastle North Shields   -   ca. 15 Km

               -      per Fähre    Newcastle North Shields - Amsterdam IJmuiden

16. Tag   -      per Rad      Amsterdam IJmuiden - Amsterdam Centraal   -   ca. 30 Km

               -       per Zug      Amsterdam Centraal - Berlin Ostbahnhof  

 

Strecke in Schottland:    ca. 725 Km;              Gesamtsstrecke:   ca. 800 Km

Zug gebucht viel geflucht

Montag, 10.06.2013

Auf geht's, dachten wir. Zwinkernd

Auf diesen Urlaub haben wir uns lange gefreut und Vieles vorbereitet. Monate im Voraus haben wir Züge, Hostels, Unterkünfte, die Fährverbindungen gebucht und die Radroute quer durch Schottland geplant. Doch alle Planung half uns garnichts. Ursprünglich wollten wir um 06:27 Uhr von Berlin aus mit der Direktverbindung der Deutschen Bahn, dem sogenannten "Niederlande-Express", nach Amsterdam fahren.

Treffpunkt war 06:00 Uhr am Ostbahnhof. Mario traf als Erster ein. Ein Blick auf die Anzeigetafel in der Bahnhofshalle ließ so langsam Vorfreude aufkommen. Unser Zug war ganz regulär für das Gleis 7 vorgesehen. Als er dann mit Maddin gegen 06:15 Uhr telefonierte, weil dieser mal wieder knapp mit seinem Zeitmanagement war, passierte, was keiner wirklich für Möglich gehalten hatte. Nach einem kurzen Aussetzer auf der Anzeigetafel erschienen plötzlich blaue Schriftzüge auf weißem Grund: Sämtliche Züge in Richtung Westen waren gestrichen worden.

  StornierungAnzeigetafel

Keine Ansage, keine Information über die Lautsprecher. Maddin erfuhr quasi live am Telefon von der Hiobsbotschaft und dachte zunächst er würde verarscht werden.

Überrascht

Der Grund war das in Deutschland hereinbrechende Jahrhundert-Hochwasser. Wir dachten, wir schaffen es noch rechtzeitig am Hochwasser vorbei aus Deutschland zu kommen. Doch am frühen Morgen waren die Pegelstände in Sachsen-Anhalt und  Niedersachsen erheblich angestiegen und die Deutsche Bahn entschied sich unseren Zug auszusetzen und erst von Hannover aus starten zu lassen.

Sehr Gut!!! Also wie jetzt nach Hannover kommen???

Infostand

Die Deutsche Bahn war mit den zu 170% überbelasteten ICE-Zügen einfach überfordert und ließ uns mitsamt unseren Fahrrädern nicht in den auf der gleichen Strecke fahrenden ICE-Zug Brüllend  Keine Angebote, kein Entgegenkommen, einfach eine schlechte Leistung. Die mit Bräunungscreme eingeschmierte Service-Dame ließ uns mit der Bemerkung, wir hätten uns doch rechtzeitig informieren können, einfach auf dem Bahnsteig stehen.

Was blieb uns also übrig als schnellstmöglich zur nächsten Mietwagenstation am Hauptbahnhof zu fahren. 

  HauptbahnhofBerlin

Von hier aus radelten wir noch schnell zur Müllerstraße und bekamen für teures Geld einen Kleinstransporter, mit dem wir uns dann leicht verspätet durch den dicken Montags-Berufsverkehr aus Berlin heraus quälten.

Transporter Räder einpacken

Mit gut zwei Stunden Verspätung waren wir noch guter Dinge, eventuell den dort einsetzenden Folgezug von Hannover zu bekommen, damit wir annähernd im Zeitfenster bleiben. Da Olli als einziger seinen Führerschein dabei hatte, musste er fahren und holte alles aus der Kiste raus.

Wir haben doch keine Zeit

Montag, 10.06.2013

 

Auf dem Weg nach Hannover haben wir das Ausmaß des Hochwassers im vollen Umfang sehen können, als wir die Elbbrücke überquerten. Es guckten tatsächlich nur noch Baumkronen aus dem Wasser.

So langsam tickte die Zeit davon. Den Nachfolgezug konnten wir definitiv nicht mehr erreichen. Und alle weiteren Nachfolgezüge würden uns nicht rechtzeitig nach Amsterdam bringen.

Wir riefen sämtlichen Mietwagenstationen in Hannover an und organisierten uns einen weiteren Mietwagen. Dass der Sixt-Transporter von einer Europcar-Station abgeholt wird, war kein Problem. 

Zwischendurch telefonierten wir sogar mit einer Kfz-Werkstatt, die dachten, wir wären eine Verarsche-Show im Radio. Da stand irgendwie eine falsche Telefonnummer im Internet.

Mit Europcar hatten wir nun also einen Deal, aber jetzt kam uns der Berufsverkehr in die Quere. Nichtmal zum Pinkeln kamen wir, weil jede Pause auch wichtige Zeit gekostet hätte. Erst kurz vor dem Ziel auf der Tanke konnten wir uns befreien. Horror!!!

Sixt und Europcar

Bei Europcar schauten wir erstmal in ein paar Mondgesichter, bis sich die gute Dame echt bemüht und dank einiger Mitgliedschaften einen Hammerdeal für uns herausgeholt hatte. Hätten wir die mal schon in Berlin gehabt. Jetzt ging es mit einem klasse VW T5 ab nach Amsterdamm. Olli trat den Tacho bis zum Anschlag.  Wenn alles gut geht, schaffen wir es noch rechtzeitig bis zur Fähre. Die Strecke war weitestgehend frei. Mit einem Auge auf der Uhr und mit dem Handy in der Hand versuchten wir auch bei dem Fährunternehmen Zeit herauszuholen.

Holland

Niederlande

Die Deadline für den Check-In in die Fähre kam immer näher. Schon bei der Anmiete des Wagens organisierte wir, dass wir diesen in Haarlem, einer nahe gelegenen Stadt vom Hafen, 11 Km entfernt, abgeben können. Zwischendurch versuchten wir den Mitarbeiter dazu zu bringen, den Wagen direkt vom Hafen abzuholen. Doch das Telefonat viel aufgrund der Verständigungsprobleme sehr knapp aus. Verdammt also doch nach Haarlem. Hier verfuhren wir uns natürlich erstmal, weil die Beschilderung einfach nur schlecht war. Wieder wichtige Zeit die verloren ging. Bei der Station angekommen bekamen wir „Deutschen“ die knallharte „Leck mich am Arsch“-Stimmung zu spüren. Wenigsten organisierte uns der gute Mann noch einen Taxifahrer, der uns mit dem T5 zum Hafen bringen würde.

Tanken  T5 EuropcarWarten Warten Warten

Es war bereits 16:45 Uhr und wir telefonierten mit dem Hafenservice. Es wurde uns vermittelt, dass bereits alle Gäste anwesend seien, aber auf uns extra gewartet wird. Und dann kam EDWIN mit seinem Taxi angerauscht. Ein klasse Typ. Keine vielen Worte. Einfach rein in den T5, kurz Hallo gesagt und los gings. Mit 120 Sachen auf ca. 2m breitem Deichen umfuhren wir die Hauptstraßen und somit den Berufsverkehr. Mario krallte sich vorne an den Haltegriffen fest und Maddin und Olli rutschten von links nach rechts auf der hinteren Sitzbank herum. Zwischendurch unterhielten wir uns noch in Affen-Englisch und erfuhren, dass Edwin hier geboren ist und somit alle Winkel der Gegend kennt. Gegen 17:24 Uhr erreichten wir mit ach und krach das Hafengebäude. Das Schiff lag noch an der Anliegestelle. Schnell rein und einchecken, dachten wir, super.

Ankunft Hafen Fähre im Hintergrund

Wir hatten die Rechnung nur nicht mit den Check-In-Damen gemacht, die wohl schon den Feierabend eingeleutet hatten. Wir ließen den Kapitän anrufen, konnten nur nicht nachvollziehen, ob die drei Damen vom Grill das wirklich taten. Sie vermittelten uns, dass das Schiff bereits geschlossen sei. Verdammt!!! Da stand es nun, so nah und doch so fern. Die Leute auf den Decks schauten genauso ungläubig auf uns herunter, wie wir nach oben schauten. Sie winkten uns zu und dann legte es ab.

 

Völlige Leere. Edwin half uns noch, indem er uns zu einigen Hotels fuhr, welche jedoch alle ausgebucht waren. Zwischendurch in diesem Trouble vergaß er glatt, dass Mario noch in einem Hotel die Verfügbarkeit abfragte und fuhr einfach weiter. Erst ein paar Querstraßen weiter, wollte er eine Frage stellen und sagt nur knapp: „Ey, wo is er?!“ Gelächter… Maddin und Olli saßen hilflos hinten auf ihrer Sitzbank und hatten zuvor vergebens versucht ihn daraufhin zu weisen. Irgendwie konnten wir dann doch wieder zusammen finden. Letztlich kamen wir wenig später in der Jugendherberge von Haarlem unter.

Hostel Haarlem ertsmal Prost Jopen Bier

Er gab uns noch den Tipp für die Bier-Kirche, in welcher wir später den Abend und diesen besch..eidenen Tag ausklingen ließen.

Jopen KircheLecker Jopen Bier

Das war einfach ein Tag zum Vergessen. Keine Kosten und Mühen gescheut und am Ende kurz vor dem Ziel doch gescheitert.

Haarlem, Niederlande

Dienstag, 11.06.2013

Den einzigen Vorteil, den uns dieser Zeitverzug brachte, war, dass wir nochmal lange ausschlafen konnten. Gegen eine Umbuchungsgebühr durften wir die Fähre am heutigen Abend nehmen. Die Zeit bis dahin verbrachten wir damit die Zugverbindung in England umzubuchen. 

Zug umbuchen im Internet

Weil mal wieder die Internetseite durch ein Sicherheitsmerkmal gesperrt war, versuchte Mario drei Stunden lang die DKB-Bank zu erreichen. Erst als er sich als Neukunde ausgab, um überhaupt erstmal mit einem Mitarbeiter in Kontakt zu geraten, kam die Sache ins Rollen.

Fußgängerzone Flüßchen

Anschließend schauten wir uns noch das Städtchen Haarlem an und waren überrascht. Eigentlich ein schönes Fleckchen hier. Genial fanden wir die Radwege, welche hier breiter waren als die Fahrbahnen für die Fahrzeuge. Sogar mit eigenständigen Ampelschaltungen.

Faszinierend waren auch die Menschen in Haarlem. Wir konnten nicht herausfinden ob die Stadt eine große Universitätsstadt ist, jedenfalls waren hier viele junge Leute unterwegs. In einer der vielen Fußgängerzonen kamen sogar Albert Einstein und Kleopatra zum Shopping.

Cleopatra

Weil uns das Städtchen so sehr gefiel kamen wir jedoch schonwieder in Zeitverzug.Wir durchliefen die schönen Gassen und waren schonwieder auf Entdeckerkurs.

grün Gieskannenbaum

Die Strecke zum Hafen sollte doch eigentlich so einfach sein. Bevor wir losfuhren checkten wir nochmal unser ganzes Gepäck.

Gepäck

Die Strecke ganz im Gegenteil einfach zu finden. Die Beschilderung für Radfahrer war richtig irreführend. Wir mussten mehrmals nach dem Weg fragen. Mit aller Kraft und völlig durchgeschwitzt kamen wir dann doch noch pünktlich vor Toresschluss am Dock an. Wir waren tatsächlich die Letzten auf dem Fahrzeugdeck Nummer 4. Doch das war uns jetzt egal.

Deck4

Wir hatten es mit einem Tag Verspätung endlich geschafft und waren auf dem Weg nach England. Als wir in den Fahrstuhl stiegen, um zu unserer Kabine zu kommen, ging es nicht nach oben. Unsere Kabine lag tatsächlich tiefer, auf Deck 2, im tiefsten Inneren des Schiffs. Die Kabine war eine 2x3 Meter Klitsche ohne Außenlicht und einem Klo mit Duschbrause direkt darüber in einer 1m² Nasszelle. Olli kriegte sich garnicht mehr ein vor Lachen und besudelte erstmal Maddin sein Bett.

  Miniklo

Danach haben wir das Schiff erkundet und uns zum Ablegen auf dem Außendeck eingefunden.

Aussicht Ausfahrt Heck

Schon faszinierend wie riesig so ein Teil ist.

Dreiergespann Rückschau

Pünktlich zur Ausfahrt aus dem Hafen schob sich die Sonne wieder unter den dünnen Wölkchen hervor und bereitete uns eine echt schöne Aussicht bei einem genüsslichen Bierchen auf dem Sonnendeck.

Zum Abend hin bot sich uns ein herrlicher Sonnenuntergang. Auf ging es nach Newcastle in England.

Sonnenuntergang links Sonnenuntergang rechts

Newcastle - Inverkeithing

Mittwoch, 12.06.2013

Nacht auf dem Schiff Hafeneinfahrt

Die Übernachtung auf dem Schiff verlief unproblematisch. Kein Würgereiz und keine Ausfälle. Stattdessen waren wir richtig gut ausgeschlafen. Gegen 09:00 Uhr erreichte Das Schiff den Hafen von Newcastle Upon Tyne und wir konnten zum ersten Mal englisches Land sehen.

newcastle häuser

Hafen in Newcastle

Da wir mit unseren Räder ganz hinten standen, mussten wir tatsächlich so lange warten, bis alle Fahrzeuge auf unserem Deck das Schiff verlassen hatten. Jetzt noch schnell durch die Zollkontrolle und weiter ging es zum ersten Mal mit dem Rad auf englischem Boden ins 15 km entfernte Newcastle. Das Linksfahren war echt gewöhnungsbedürftig und wir ertappten uns das ein und andere Mal, dass wir entgegen dem eigentlichen Straßenverkehr fahren wollten. Auch schauten wir beim Überqueren einer Straße immer zuerst nach links, obwohl die Fahrzeuge ja von rechts kamen.

radfahrer Radweg

Eine eher dürftig ausgeschilderte Radstrecke führte uns direkt am Wasser entlang bis in die City.

To the city Brücken ohne Ende

 

Am Bahnhof erhielten wir die am Vortag bestellten Tickets ohne weitere Probleme. Aber man musste sich erstmal zurecht finden. Auf dem Bahnhof versorgten wir uns mit Futter für den noch folgenden langen Tag.

NewcastleBahnhof Newcastle

Als wir mit dem Zug-Chef und den Schaffnern sprachen, erfuhren wir, dass der Bahnhof in Inverkeithing kürzer ist als hier in Newcastle. Ansich unproblematisch. Nur nicht für uns. Weil wir die Fahrrädern am Ende des Zuges in einem frachtraumähnlichen Fahrrad-Abteil unterbringen mussten. Das bedeutete, dass wir in Edinburgh die Räder wieder aus dem Frachtraum herausholen und weiter vorn im Zug in den Gängen unterbringen mussten.

Im Zug

Schön nur, dass der Schaffner in Edinburgh davon nichts wusste und uns draußen stehen lassen wollte. Die Züge in England sind definitiv nicht für den Fahrradtourismus ausgelegt.

Zugfahrt

Mit der Zugfahrt überquerten wir auch den Fith of Forth, welchen wir sonst über die 2,5 Km lange Brücke per Rad abfahren hätten müssen

Fith of Forth Fith of Forth Land

In Inverkeithing angekommen, kamen wir dann zu guter Letzt garnicht aus dem Zug heraus. Die Türen waren Automatiktüren ohne Griffe und Öffnungsmechanismus von Innen. Die konnten nur von Außen geöffnet werden. Das war dann in letzter Sekunde durch einen Schaffner und einen Fahrgast noch geschehen. Das wäre was gewesen, wenn wir hier nicht rausgekommen wären.

Inverkeithing

watch the right lanes

Mittwoch, 12.06.2013

Inverkeithing - Perth

 

Da wir ja den verlorenen Tag aufholen mussten, entschieden wir uns also an Edinburgh vorbei bis Inverkeithing mit dem Zug und anschließend mit dem Rad gleich bis ins 60 Km entfernte Perth zu fahren.

Inverkeithing

Auf dem Bahnhof in Inverkeithing begegnete uns die schottische - Frau Schmidt -, welche Mitglied im Stirling Bycicle Club war. Sie begutachtete unser Fahrräder und erzählte uns Horrorgeschichten über gestürzte Radfahrer, weil die schottischen Autofahrer keine Rücksicht auf sie nahmen. Mit den Worten - Good Luck - und - Watch the right lanes and drive left! - verabschiedete sie sich von uns.

 Schottische BergeWegweiser

Mit diesen tollen Informationen machten wir uns nun endlich auf den Weg und begannen unsere Radtour durch Schottland. Die schottischen Straßen begrüßten uns prompt mit einem Brett von Anstieg, dass uns die Waden und Oberschenkel platzten. Es ging einfach nur stetig bergauf. Es war ja schon spät am Nachmittag also riefen wir die Unterkunft an, um unsere verspätete Ankunft zu organisieren. Landschaftlich gesehen war das bisher noch nicht beeindruckend. Die schottischen Kühe begrüßten uns mit einem lustigen Bullenritt. Irgendiwe kannten die wohl keine neonfarben gekleideten Radfahrer. So rannten zwei Rinder mehrere 100 Meter parallel zur Straße mit uns mit, bis sie auf die gesamte 30-köpfige Rinderherde. Zum Teil erschrocken und zum Teil davon animiert rannte nun die ganze Herde los. Zum Glück nicht auf die Straße. Das war schon beeindruckend. 

  Helm

Zwischenzeitlich mussten wir Maddin einen neuen Helm besorgen, weil Mario ihm seinen bei der Umsteigeaktion in Edinburgh zerschossen hatte. Das Ding hatte die Seitenpacktasche nicht ausgehalten und war ordentlich durchgebrochen.

 Der Neue Cooler Helm

In Perth angelangt erlebten wir eine ordentliche schottische Kneipenschlägerei. Wenn da sechs Kantengesichter mit Eisenfäusten auf dem Gehweg stehen, sollte man lieber die Straßenseite wechseln. Beim Vorbeifahren hörten wir es nur knacken im Gesicht von dem auf der Straße liegenden Unterlegenen.

Perth

Die letzten Kilometer zu unserer Unterkunft ging es wieder nur bergauf.
Wir fühlten uns wie auf diesem Verkehrsschild.

Verkehrsschild

Auf einem Kleinflughafen nördlich von Perth hatten wir uns in die Sky Logde angemietet.

Flughafen

Traumhaft. Riesige Betten, Badewanne und Platz ohne Ende. Das sollte nicht der Standard sein, der uns die nächsten Tage auf unserer Reise erwartet.

Wanne Betten

Aber erstmal ein "Gute - Nacht - Bier".

Gute Nachtbier

Cider-Bier

Donnerstag, 13.06.2013

Abfahrt

Auf der heutigen zweiten Etappe ging es nach Pitlochry. Die schöne Unterkunft in der Skylodge mussten wir hinter uns lassen. Da der Hinweg zur Skylodge am gestrigen Tage nur bergauf ging, konnten wir nun die fünf Kilometer bis nach Perth in freier Schussfahrt herunter rasen.

Abfahrt GoPro

Wir mussten feststellen, dass das schöne Wetter echt trügerisch ist. Wenn man in der Sonne steht, ist es angenehm warm. Aber sobald man mit höheren Geschwindigkeiten fährt, wird der Fahrtwind richtig kalt auf der Haut.

Blick auf Perth

In Perth schauten wir uns noch kurz das Städtchen an, bevor es dann weiter auf die Tour ging.

Sightseeing

Noch waren wir guter Dinge. Doch schon in Perth warteten die ersten Steigungen auf uns, dass wir gleich richtig ins Schwitzen kamen. Bergab war dann wieder alles schön, aber der nächste Anstieg kommt bestimmt und wartete zumeist schon hinter der nächsten Biegung.

Erste Erschöpfung Weiterer Anstieg

Wir stellten entgegen unseren Erwartungen fest, dass es hier eine gut ausgeschilderte Radroute gab, welche genau entlang unserer Strecke führte.

Route 77

In unserem Fall war das die Route 77, welche uns abseits der Hauptverkehrsstraßen durch die Berge brachte.

Waterloo Rindvieh

Ausblick Ausblick 2

Das bedeutete aber auch, dass wir ordentlich in die Pedale hauen mussten, um die ständigen Steigungen zu bewältigen. Wenn die Anstiege wenigsten nur kurz gewesen wären. Aber die nahmen einfach kein Ende.

Erste große Pause  Erschöpfung

Da denkt man, man hat es in Höhe der vor sich liegenden Biegung schon geschafft, da geht der Berg hinter der Kurve noch unendlich weiter. Horror. Nicht nur dass wie am Vortag die Waden und Oberschenkel platzten, jetzt hatte man auch noch zusätzlich das Gefühl, dass die Pedale gleich vom Bike abbrechen.

Abgestiegen1Abgestiegen2

Außer dass die Strecke an sich super anstrengend war, führte uns die Radroute an wunderschönen Plätzen vorbei, entlang des River Tummel bis nach Pitlochry.

Bunte Bäume Entdeckertour Unterstand

In Pitlochry mussten wir dann noch eine letzte Mördersteigung auf uns nehmen, um zu unserem Hi-Hostel zu kommen.

Hi-Hostel

In vollster Erschöpfung wurden wir hier von Gabi empfangen. Auch mal wieder schön in Deutsch mit jemanden zu sprechen. Die Unterkunft war allerdings das ganze Gegenteil vom Vortag. Wir kamen hier in einem Sechsbettzimmer unter, in welchem jedoch schon drei Personen eingemietet waren.

Sechsbettzimmer sechsbettzimmer2

Mit dem einem Wandersmann und dem anderen Radsportler kamen wir klar. Es wurde eh nicht viel gesprochen. Der Dritte allerdings zog bei unserer Ankunft bereits ein Gesicht, als wenn wir uns gleich Boxhandschuhe anziehen müssten. Doch als wir uns dann ausbreiteten und duschen gingen, löste sich das Problem von ganz allein. Der besagte Dritte schnappte seine Klamotten und verließ wutentbrannt das Zimmer. Später erfuhren wir, dass dieser zuvor Ärger mit einem bereits abgereisten Gast hatte und er ein cholerischer Mensch sei. Um also weiteren Ärger zu vermeiden, sei er von sich aus abgereist. 

Alles in Allem war es hier sehr spartanisch eingerichtet. Mit Frühstück brauchten wir nicht zu rechnen, hier wird sich selbst versorgt. Also erstmal ab zum Einkaufen. Doch Pitlochry ist an einem Berghang erbaut worden. Dementsprechend drückten dann die Auf- und Abstiege die letzten Reserven aus unseren Beinen. Dafür wurden wir mit wunderschönen Ausblicken in die Landschaft entlohnt.

Ausblick Kirche Fluss

Martin und Mario wollten sich ein leckeres Bier zum Feierabend gönnen, achteten jedoch nicht auf die Beschriftung. Weiß jemand was ein „Cider“ ist. Wenn wir genauer hingeschaut hätten, wären uns auch die kleinen Apfelsymbole im Logo aufgefallen.

Äpfel im Logo Noch versteckter, der Apfel im Logo

Wie soll man denn nach so einem Tag auch noch auf sowas achten. Verdammt. Genuss ist anders.

Welcome to the Highlands

Freitag, 14.06.2013

Pitlochry - Newtonmore

 

Am frühen Morgen standen in unserem Zimmer der Rennradfahrer und der Wanderer zu einer Zeit auf, da war mit uns noch nicht zu rechnen. Als wir uns dann auch dazu bequemten aufzustehen, konnte Mario noch beobachten, wie der Rennradler auf sein Rad stieg und davon fuhr. Wir wunderten uns schon, wo der seine Klamotten und Packtaschen hatte. Einfache Antwort. Er hatte keine. Lediglich eine schmale Tasche unterhalb des Oberrohres seines Rahmens bot ihm Stauraum für Handtuch, Duschzeug und so weiter. Sehr spartanisch. Respekt. Wir hatten noch unseren Vortag im Kopf mit den vielen Steigungen und unseren schweren Taschen. Ja klar. So könnte man das schaffen. Vom Rennradfahrer angespornt kam uns also die Idee: Abspecken und Aussortieren!

Wäsche

Wir kramten unsere überflüssige Kleidung heraus und brachten sie zum Dorfpostladen. Die beiden Damen hinter dem Tresen boten uns an, die Kleidung in kleinen Schuhkarton-Boxen einzeln nach Deutschland zu verschicken. Insgesamt kamen dann also pro Person zwei Boxen zusammen. Soweit unproblematisch, wenn die nur nicht so schwer gewesen wären. Um die hohen Kosten zu umgehen, schnappten wir uns einfach das Paketklebeband und banden alle 6 Kartons zusammen. Das Ding wog satte 15 Kilogramm.

Einzelpaket Großpaket

Nun konnte es losgehen. Unsere Strecke führte uns wieder an der National Cycle Network – Route 7 entlang. Eine schöne Strecke abseits des Hauptverkehrs direkt ab Fluss entlang, bis wir eine herrliche Stelle zur Pause fanden.

Wasserfall Klettern Fußbad Flußbettungestaltung Wasserfall von unten Balance-Akt 

Ausgeruht und im Wasser ausgetobt ging es weiter. Die Strecke führte uns auf einem wenig befestigten Weg neben der Hauptstraße weiter.

kurze weitere PauseRadroute

Nachdem es sowieso schon stetig bergauf ging, begrüßte uns plötzlich ein Schild mit den Worten: „Welcome to the  Highlands“.

Welcome to the Highlands

Wie Bitte? Was war denn die letzten Tage? Waren das noch nicht die Berge? Das ging doch schon permanent bergauf. Was übrigens auch der Grund war, warum wir nicht so schnell vorangekamen, wie wir uns das vorgestellt hatten. Also was sollte uns jetzt erwarten, dachten wir uns…

Eigenartiger Weise ging es ab diesem Moment permanent bergab. Wir kamen richtig gut voran. Leider hatten wir jedoch nicht mehr die Zeit der höchstgelegenen Destillerie Schottlands einen Besuch abzustatten.

Destillerie Dalhwinnie Destillerie

Also rein nach Newtonmore. Hier trafen wir auf Sue und Neil, zwei ehemaligen Rennradsportlern. Sie hatten ein wunderschönes kleines Hostel speziell für Radler eingerichtet.

Newtonmore Packen 

Kurioser Weise hatten wir das ganze Hostel für uns alleine. Den Abend ließen wir mit einer leckeren Pizza ausklingen

Blog schreiben Pizza und Bier

Freunde, wir müssen uns entschuldigen. Wir hängen furchtbar mit unserer Berichterstattung hinterher. Tag für Tag kommen wir immer später völlig erschöpft ins Bett. Wir werden uns aber beeilen und hoffen, dass wir den Blog vervollständigt haben, bevor wir Deutschland wieder erreicht haben. Lächelnd

On-Road??? Off-Road!!!

Samstag, 15.06.2013

Abschiedsfoto

Am frühen Morgen kamen wir gut aus den Federn. Vor der Abfahrt unterhielten wir uns ausgiebig mit Neil. Er gab uns viele Tipps für die weitere Tour. Wir machten noch schnell ein Gruppenfoto und schmissen uns auf die Fahrräder. Laut Neil sollte im nächsten Ort ein Radrennen stattfinden. Nicht dass wir von der Piste abkommen. Doch soweit lief alles gut. Die Radroute führte uns entlang einer Railroad an sehr schönen Orten vorbei, die wir im Vorbeifahren mit den Augen aufsaugten.

Ruinen

Bei einer zwischenzeitlichen Pause interessierte sich der Landbesitzer, für unsere Tour und erzählte uns von seinen Rad-Erlebnissen in Chile. Nach einem sehr angenehmen Gespräch verabschiedete er sich und wünschte uns eine gute Fahrt, woraufhin Olli ihm mit seinen fundierten Englischkenntnissen und einem selbstsicheren Lächeln eine „Good Night“ wünschte. Lachend

Strecke

Weil wir uns auf der weiterfolgenden Strecke so wohl fühlten, verpassten wir irgendwie unser Radroutenzeichen und landeten plötzlich auf einem Golfplatz. Wir überlegten noch kurz, doch als uns die Golfbälle um die Ohren flogen, dachten wir uns, schnell weiter fahren, irgendwie wird uns die Route hier schon rausführen. Fehlanzeige. Überrascht

Irrwege 2 Irrwege 1

Sackgasse am letzten Loch.

Golfplatz

Da hier keine richtigen Wege mehr angezeigt waren, fuhren wir erst am Rande der Greens und später sogar einmal quer übers Feld wieder zurück.

Golfplatz 2Golfplatz-Aktion

Die Golfer schauten nur arg verwirrt, als wir an ihnen vorbeizogen. Zufälligerweise fanden wir die Abzweigung zu unserer Radroute wieder. Wer soll denn auf so ein kleines Zeichen achten. Da steckt doch Systematik dahinter.

Abzweigung Mini-Beschriftung

Der kleine Umweg über den Golfplatz brachte uns ca. 7 Km mehr auf den Tacho. Jetzt ging es über eine Wanderroute entlang der Railroad weiter in Richtung Carrbridge.

Der Hirsch

Maddin war sehr begeistert und hoffte einen vorbeifahrenden „Dampfzug“ zu erblicken, woraufhin nun Olli sich vor Lachen nicht mehr einkriegte, sodass ihm auch durch das andauernde Gelächter Maddins die Kraft in den Beinen verloren ging. Mit festen Oberschenkeln und krampfenden Lachmuskeln kamen wir in Carrbridge an. Ein schönes kleines Nest, sehr idyllisch gelegen mitten in den Mountains.

Carrbridge

Nachdem wir uns im örtlichen (nicht wirklich günstigen) Spar-Markt mit Verpflegung für die nächsten Tage versorgten, ging es nun auf den Trip zu unserer Unterkunft. Wir hatten die Wahl zwischen einer kürzeren On-Road-Strecke und einer etwas längeren Off-Road-Strecke.

On-Road? Off-Road?

Maddin zeigte mit vollen Einkaufstaschentaschen plötzlich Interesse an der Off-Road-Strecke. Wir konnten ihn jedoch mit unseren berechtigten Einwänden nicht von seinem Vorhaben abbringen und folgten ihm. Dies sollten wir alle schrecklich bereuen.

Der Eingang zur Off-Road-Piste

Die Off-Road-Strecke führte uns auf losem Untergrund, einer Mischung aus Schotter, Kiesel, Sand und Waldboden querfeldein durch ein Flussbett und entlang des Berges wieder hinauf. Die Aussicht konnten wir schon garnicht mehr richtig genießen. Die Strecke bot uns Anstiege, die wir selbst auf Asphalt nur schwer bewältigt hätten.

Off-Road

Während Olli und Mario ihre Bikes anfingen den Berg hochzuschieben, quälte sich Maddin im allerkleinsten Gang zumindest ohne abzusteigen den Berg hoch. Die Räder waren für „Offroad“ einfach nicht geschaffen. Nach kurzen halsbrecherischen Abfahrten folgten wieder mörderische Anstiege. Wer kam eigentlich auf diese schei…ß Idee???!!!

Railroad

An unserer Unterkunft, der Slochd Mhor Lodge, angekommen, empfing uns der Urschotte Ian Bishop. Mit wissendem Blick und intelligent blitzenden Augen musterte er erst uns und dann unsere drei Fahrräder. Wir waren ihm einfach nicht gewachsen. Wir standen schließlich einem Weltmeister gegenüber. Er versuchte mit seinem unverwechselbaren Charme Witze mit uns zu machen, die wir nicht mehr in der Lage und auch Willens waren zu verstehen. Aber er kümmerte sich innig und brachte uns im größten Raum des Hauses unter. Die Unterkunft war herrlich. Zufällig hatten wir auch diese Nacht das ganze Hostel für uns alleine. Jetzt begann wieder das übliche Prozedere, duschen, futtern, Bierchen trinken und Beine hochlegen trinken.

Duschen  Lounge

Hobbit Room

Sonntag, 16.06.2013

Carrbridge – Inverness

 

Am heutigen Tag lag uns nur eine kurze Strecke nach Inverness bevor. Wir trödelten also schon beim Aufstehen herum und genossen ein ganz entspanntes Frühstück.

Frühstücksei Abwasch

Wenig später erschien auch schon unser schottischer Herbergsvater. Heute Morgen war er etwas zugänglicher oder wir waren etwas aufnahmebereiter. Wir kamen super ins Gespräch mit ihm. Er erzählte uns von dem Battlefield Culloden, welches auf unserer Route 7 lag und gab uns ein wenig Geschichtsunterricht. Sehr interessant. Nebenbei erfuhren wir noch, dass Ian Ausbilder der schottischen Marines war. Auf dem Weg zu unseren Fahrrädern blühte Ollis Herz richtig auf, als er erzählte, dass er leidenschaftlich gern Fahrräder selbst baut. Hinter den unscheinbaren Schuppentüren entpuppte sich ein Radfahrerparadies.

Rad-Schuppen Speziel-Bau

Ganz nebenbei hatte Ian über Nacht in Mario‘s hydraulische Bremse wieder Öl eingefüllt, weil diese wohl völlig entleert war und sich nur noch Luft in ihr befand. Die ganze Off-Road-Piste ist er also am gestrigen Tag mit einer defekten Bremse abgefahren. Ein Glück ist da nichts passiert. Im Schuppen kamen wir dann also richtig ins Reden und vergaßen die Zeit. Olli wollte ihm irgendwas erklären, woraufhin Ian nur auf seine typische allwissende Art mit dem Kopf schüttelte und sagte: - Oh my God, he's trying to speak english with me! -. Ganz nebenbei erzählte er uns dann noch von seinem Weltmeistertitel.

Weltmeister Slochd Mhor Lodge

Ein echter Tausendsasser. Die Urkunde und den Pokal hatten wir ja im Haus schon gesehen, konnten jedoch mit den englischen Begriffen nichts anfangen. Dank Übersetzung stellte sich heraus, dass dieser urige Schotte mehrfacher Weltmeister im Haferbrei-Kochen ist.

Lachend

Wir verabschiedeten uns höflichst und machten wieder ein Gruppenfoto. Er erklärte uns noch, dass wir möglichst schlechte Sachen über ihn im Internet schreiben sollen, weil er gerne seine Ruhe haben möchte und gerne angelt.

Gruppemfoto Gästebucheintrag

Die Strecke Richtung Inverness auf der Route 7 lief locker vom Pedal und wir waren gut gelaunt. Nur Maddin hatte mit einer kleinen Erkältung und Halskratzen zu kämpfen. 

We Are Watching YouWolken

Bei einer der vielen An- und Abstiege stellten wir dann sogar den ersten Rekord in der Abfahrt mit einer Maximalgeschwindigkeit von 62 Km/h ein.

V-max

Und das mit unserem Gepäck auf den dünnen Reifen. Zum Glück funktionierten ja die Bremsen wieder.

Auf Ian’s Empfehlung hin schauten wir uns das Battlefield genauer an und nahmen eine weitere kleine Geschichtsstunde.

Übersichtstafel Battlefield Haus

  Abfahrt nach Inverness

Am Hillview-House in Inverness angelangt, wurden wir sehr herzlich empfangen. Die Hausdame hatte die Worte - brilliant - wunderful - lovely - beautiful - excellent - im Verlaufe ihres Lebens zu ihren Hauptwörtern erklärt und beendete jeden Satz mit mehreren von diesen. Sie war sehr hilfsbereit und brachte uns zu unserem  - Hobbit-Room -. Wir wunderten uns schon, warum wir nicht weiter ins Haus geführt wurden. Dieser stand nämlich dahinter. Gelächter brach aus. Gestern flachsten  wir noch herum, dass wir beim Ur-Schotten in den Ofen kommen und heute kamen wir tatsächlich in die Röhre.

Roehre Hobbit Room Innen

Stuetzen

Nachdem wir uns mit den Hobbit-Gegebenheiten vertraut gemacht hatten, schauten wir uns die Stadt Inverness noch genauer an. Der River Ness vom Loch Ness her kommend führt hier direkt durch die Stadt ans Meer heran. Rund herum waren schöne Parks errichtet worden.

Flusslauf White Bridge

BrückenwalkHinweise  Burg Inverness Fluss

Abends fanden wir uns nach dem Abendbrot im Gemeinschaftsraum ein, um an unserem Blog weiter zu schreiben, als plötzlich holterdipolter vier Spanierinnen auf dem Sofa fläzender Weise Platz nahmen, den Röhrenfernseher anschmissen und dort den Confed Cup mit ihrer spanischen Mannschaft schauten. Dabei waren sie in gewohnter spanischer Art und Weise nicht gerade leise gewesen. Während Olli und Maddin sich noch darüber amüsierten, ist Mario fast die Hutschnur geplatzt und vergrub sich um Ärger zu vermeiden hinterm Laptop. Immer diese Spanier!!! Sind die denn überall?!

Loch Ness

Montag, 17.06.2013

Inverness – Fort Augustus

Die Nacht in der Hobbit-Röhre war spannend. Wenn sich Maddin auf der einen Seite auf seiner Pritsche herumwälzte, ächzte auf der anderen Seite das Holz. Überhaupt war das Ding nur von drei kleinen Stützhölzchen gegen Wegrollen gesichert gewesen. Mario hörte im Einschlafen daher permanent in das Holz hinein und hoffte, am frühen Morgen nicht umgedreht an der Häuserwand aufzuwachen.

Rühreifrühstück

Nach einem herrlichen Rühreifrühstück von Olli fuhr Mario nochmal allein in die Stadt um Geld abzuheben. Die Mietwagenfirmen hatten die Sperren ihrer Sicherheitsbeträge nicht zurückgenommen, woraufhin das Kreditkartenkonto mit fast 600€ noch belastet war, die wir aber dringend benötigten. Immer diese zusätzlichen Umstände! 

Zum Abschied vom Hillview-House machten wir mit der freundlichen Hausdame noch ein brilliantes wunderschönes exzellentes Gruppenfoto.

Abschiedsfoto

Die heutige Route sollte uns nun endlich am Loch Ness vorbei führen. Wir wählten dafür die touristisch weniger befahrene Nebenstraße auf der Ostseite des Gewässers, welches uns mit herrlichstem Sonnenschein so richtig unschottisch empfing.

Sonnenschein Empfang Loch Ness

Gruppenfoto Loch Ness Maddin Loch Ness Himmel über Loch Ness

Hier machten wir nach rund 22 Km an einem wunderschönen Rastplatz mit direkter Aussicht auf Loch Ness halt.

Panorama Rastplatz

Rastplatz Rad-Ausicht

Das Wetter war traumhaft. Wir hätten hier ewig verweilen können.

Nessi Stones of Loch Ness

Panorama Loch Ness

Aber auch der schönste Moment muss einmal vorübergehen. Mit den Bildern im Gedächtnis machten wir uns nun gestärkt auf den weiteren Weg unserer Tagesetappe.

Von nun an war die Genießerzeit vorbei gewesen. Unsere Strecke führte uns über mehrere unbeschreibliche Steigungen mitten in die Mountains.

Da geht's lang

Wir erreichten nun plötzlich die Gebirgszüge, welche wir zuvor im Hintergrund unserer Panoramabilder noch bewundert hatten. Dass hier irgendwo ein schöner Wasserfall zu sehen war, nahmen wir auf dem Weg dahin mit bis zu 15% Steigung schon gar nicht mehr war.

Welche Wasserfälle???!!! Der Anstieg

Einmal im Berg, immer im Berg. Die Strecke führte uns weiter bis in eine Hochebene über dem Loch Ness.

weiter bergauf zur Hochebene Paorama Hochebene

Von der Hochebene aus ging es weiter unentwegt bergauf. Das kostete nicht nur die letzten Kraftreserven unserer Beine, sondern zermürbte einen auch psychologisch. Der Anstieg schien kein Ende zu nehmen. Aus diesem Grund nahmen wir uns mehrere kleine Pausen, um uns immer wieder kleine neue Ziele zu setzen.

der Gipfel am Horizont Zwischenpause

Zwischen zwei Gipfeln führte dieser Gebirgspass dann letztendlich zu einem mit Schafen bevölkerten Aussichtspunkt, von dem aus wir völlig erschöpft das ganze Loch Ness –Tal und die umgebenen Highlands überblicken konnten.

den Gipfel erreicht Abstieg zum Aufstieg

Wir stiegen ohne Räder noch etwas höher in den Gipfel hinauf und fühlten uns wie der Highlander MacLeod persönlich. Die Landschaft bot jedenfalls eine herrliche Kulisse dafür.

glückliche Schafe Mööööhhhhgggg

Fußweg zum Gipfel

Highlander Olli Maddin Mac Leod

Von nun an ging es rapide bergab. Wir ließen die Räder rollen, sodass selbst die Autofahrer nicht mithalten konnten. Olli brach den Geschwindigkeitsrekord mit 79 Km/h auf dem Tacho und wir freuten uns wie Schneekönige, als ein elektronisches Verkehrsschild uns sonst so hinderliche Radfahrer zum Langsamfahren ermahnte.

Abfahrtsglück

Binnen weniger Minuten waren wir wieder auf Meeresspiegelhöhe angelangt und erreichten Fort Augustus. Hier musste Olli jedoch an seinem Hinterrad einen Speichenbruch feststellen. Alles kein Problem, solange wir am nächsten Tag an einem Radladen vorbeikommen! Lachend

Mit dem Loch Ness als Aushängeschild war in Fort Augustus natürlich ordentlich was los gewesen. Unsere Jugendherberge hatte sogar einen eigenen Pub. Der Ort war geprägt von einer treppenartigen mehrstufigen Schleuse, die die Schiffe vom Kanal in das Loch Ness hineinführte.

mehrstufige Schleuse

Wir gingen noch einmal an das Ufer herrunter, in der Hoffnung dass sich Nessi für ein kleines Gruppenfoto zeigen würde und genossen den Anblick der scheinbar nicht unterzugehenden Sonne am Loch Ness.

Gruppenfoto mit Nessi

Wer sein Rad liebt...

Dienstag, 18.06.2013

Fort Augustus – Glen Nevis

 

Trotz aller Bemühungen früh aufzustehen waren wir trotzdem die Letzten, die sich im Essensaal einfanden, um das am Vortag angepriesene und letztlich gebuchte Monsterfrühstück zu bekommen. Selbst die um einiges jüngeren Hostelgäste, die am Vorabend noch wild weiter gefeiert hatten, als wir schon total knülle die Segel strichen, waren putzmunter am Frühstücken. Eigenartig.

Frühstück Von wegen Monsterfrühstück

Doch so wirklich monstermäßig war das Frühstück eher wenig. Stattdessen gab es Toastbrot, Honig, Marmelade, Erdnussbutter, Cornflakes mit Milch und den üblichen Haferbrei. Für uns deutsche Fleischfresser natürlich nicht zufriedenstellend. Zumal wir uns dachten, dass wir uns als Wegzehrung ein paar klassische Wurststullen schmieren könnten. Und diese Haferbreipampe schmeckte irgendwie auch nach garnichts. Wenigstens den Kaffee konnte man trinken

Wegbesprechung Stretching vor der Abfahrt

Am Abend zuvor hatten wir den Waschservice in Anspruch genommen. Wer wo und wie unsere Wäsche gewaschen hatte, konnten wir nur irgendwie nicht nachvollziehen. Wir vermuteten schon, dass die Aushilfsstudentin unsere Stinkerwäsche nach Feierabend mit zu sich nach hause nehmen musste, um sie dort zu waschen. Nach dem Frühstück nachgefragt bekamen wir unseren Sack mit Frischwäsche wieder zurück. Beim Aussortieren fehlte dann plötzlich eine von Maddin's vergilbten Sportsocken. Stattdessen lag eine hell-weiße Frauensocke darin. Also ging er mit seinem Anschauungsexemplar wedelnder Weise wieder zur Rezeption. Der Dame war das sehr unangenehm und zauberte eine zweite vergilbte Maddin-Socke aus der Waschküche hervor. Die unbekannte Frauensocke wollte Maddin dann doch nicht behalten. Lachend

Unsere Abfahrt verzögerte sich anschließend noch ein klein wenig, weil Maddin und Mario Loch Ness Souvenirs kaufen und Postkarten verschicken wollten. So pegelte sich die Abfahrtzeit wiedermal auf die gewohnte Mittagszeit ein.

Post abschicken

Um dem Urlaubsverkehr auf der einzigen Hauptstraße durch die Berge aus dem Weg zu gehen, wählten wir eine Trial-Route, welche auf der anderen Seite des begradigten Kanals und zwischen dem ursprünglichen Fluss "Loch Lochy" verlief.

Trial am Kanal Kanal

Hier trafen wir auf jede Menge Wanderer und Radfahrer, mit denen wir gleich ins Gespräch kamen. Womit wir „Georgie & the Rough-Stuff Fellowship“ herzlich Grüßen.

Gruppenfoto

Nachdem unser Trail auf einer Brücke die Hauptverkehrsstraße einmal kreuzte ging es auf der anderen Seite weiter. Hier mussten wir erst ein wenig suchen, um den richtigen Weg zu finden und standen plötzlich vor verschlossenen Eisentoren. Also schnell die Gepäcke vom Rad, rüber gehoben, rüber gestiegen und auf der anderen Seite wieder alles zurechtgezuppelt. Olli wollte der Sache nochmal genauer nachgehen und stellte fest, dass diese riesige Eisenkette garnicht wirklich fest angebracht war. Super!

hinter den Eisentoren war doch unverschlossen

Von nun an wurde die Strecke immer unangenehmer. So schön nah wir auch am Wasser entlang fuhren, umso schwieriger wurde der Untergrund. Die am Wegesrand stehenden Bäume hatten ihre Wurzeln quer zur Fahrtrichtung über den Weg durchbrechen lassen, sodass unsere Räder und auch wir ordentlich durchgeschüttelt wurden.

Wurzelweg durchgeschüttelt

Olli war weniger begeistert, zumal er mit seinem High-Tech-Rad mit einer Speiche weniger fuhr. Nachdem wir den Streckenabschnitt überwanden, wählten wir bei der nächsten Brücke doch die Hauptverkehrsstraße, um etwas schneller voran zu kommen. Hier bekamen wir nicht nur den Tourismus sondern auch den schottischen Berufs- und Lieferverkehr mit hautnahen Überholmanövern zu spüren.

Hauptstraße

Nach einer kurzen Pause und einem langen Anstieg konnten wir uns endlich auf eine Nebenstraße flüchten, die uns wieder auf die andere Flussseite führte. Hier fuhr es sich schon viel entspannter. Als es gerade so richtig entspannt voranging, stellte Mario am Hinterrad von Olli eine leichte Acht fest. Olli hatte jedoch keine negative Beeinflussung feststellen können. Wenig später hörte Olli dann doch ein regelmäßiges Zischen, auf welches dann plötzlich ein Plattfuß folgte. Verdammt! An der Toreinfahrt zum „Sleepy Hollow“ nahmen wir eine Reparaturpause, wo er zudem eine zweite gebrochene Speiche feststellte. Da es schon spät am Nachmittag war, versuchten wir von hier aus per Handy die nächstgelegene Radwerkstatt zu erreichen.

Toreinfahrt Pannen-Olli Telefonieren auf Englisch

In Inverlochy, einem Vorort von Fort Williams, erreichten wir kurz vor Toresschluss noch eine sehr kompetente Radwerkstatt, die direkt an der Radroute lag. Dadurch hatten die Jungs hier alle Hände voll zu tun. Auch eine britische Alt-Herren-Radsport-Truppe musste hier wegen technischer Probleme Station machen. Lustige Typen. Nach einiger Zeit war dann auch Olli mit zwei neuen Speichen und neuen Schläuchen versorgt worden.

Neue Speichen

Doch die Freude hielt nur kurz an. Nach dem Einkaufen musste Olli den Weg zu unserer Herberge erneut wegen Reifenschadens abbrechen und schob sein Rad die letzten 4 Km bis zum Hostel. Wer sein Rad liebt, der schiebt.

Klappe die Zweite

Unsere Herberge lag hinter Fort Williams am Fluss Glen Nevis und am Fuße von Ben Nevis, dem höchsten Berg Schottlands. Wir kamen hier in einer Achtbetten-Bude zusammen mit zwei Franzosen, einem Asiaten und einem altem Frührentner aus Newcastle unter, der Schottland mit dem Motorrad erkundete. Das war ein ordentliches Schnarch-Orchester in der Nacht.

BettenbudeAusblick zum Ben Nevis

Einfach Highlander-mäßig.Lächelnd

Highlander-Bier für Maddin Highlander-Bier für Mario

Spionage

Mittwoch, 19.06.2013

Fort William - Glencoe

Der Radladen in Inverlochy kam uns sehr gelegen. Mario radelte schon am frühen Morgen herunter und ließ seine Bremse durchchecken, während Maddin und Olli noch in aller Ruhe das Frühstück genossen. Aber auch Olli hatte zu tun. Schließlich hatte er vom Vortag noch einen Platten, den er reparieren musste.

Kopfstand :-)

Eigentlich war abgemacht worden, dass wir uns unten beim Laden treffen. Dann wären wir tatsächlich einmal früher losgekommen. Doch Olli hatte bei der Reparatur schonwieder einen Reifenschaden und brauchte abermals einen neuen Schlauch. Daher radelte Mario wieder hoch und Olli schmiss sich auf Maddin sein High-Tech-Oldschool-Rad (immerhin fast 20 Jahre alte robuste Qualität) und radelte runter.

Maddin's Oldschool-Rad

Bei Mario’s Bremse war alles in Ordnung. Ein kleines Stellschräubchen erst raus und dann wieder reingedreht und schon war alles wieder in Ordnung. Kein Leck in der Leitung oder im Bremsgehäuse. Perfekt. Immerhin war ja noch gutes schottisches Öl von Ian Bishop drin.

Bastelflink mit neuen Schläuchen

Olli hatte inzwischen neue Schläuche und setzte seine Reparatur-Orgie fort. Doch die Abreise verzögerte sich immer weiter. Als ein weiterer Schlauch bei Olli platzte, kontrollierte er das gesamte Hinterrad, ob irgendwo etwas Scharfkantiges hervorstand. Letztlich fand er im Mantel einen kleinen Riss in der Seitendecke. Das war die Ursache. Also, ein neuer Reifen musste her und wieder runter zum Radladen, mit Mario im Schlepptau, weil der die Kreditkarte hatte.

Auf ein Neues

Anschließend wieder hoch zur Herberge, den neuen Mantel draufmontiert und dann konnte es endlich losgehen.

Maddin wanderte in der Zwischenzeit rund um die Herberge, um ein paar Schnappschüsse vom Ben Nevis zu machen.

Ben Nevis  Flusslauf zum Glen Nevis

In Fort Augustus hielten wir noch kurz beim Bankautomat an, als plötzlich ein fremder Mann auf uns drauf zu kam und zu Mario sagte: „You can’t remember me, but i know you!“. Mysteriös. Wir dachten erst wir hätten etwas verbrochen und werden vom britischen Geheimdienst ausspioniert. Doch dann stellte sich heraus, dass der gute Mann Lockführer des Zuges von Newcastle nach Inverkeithing war, der uns aus seiner Luke beobachtet hatte, wie wir hektisch die Räder vom Frachtraum über den Bahnsteig in die Zugabteile umluden. Wir trafen ihn nun unbekannter Weise eine Woche später in seinem wohl verdienten Urlaub wieder. Was für ein lustiger Zufall.

Kirchplatz Fort William Bankomat Fußgängerzone

Auf dem Weg nach Glencoe mussten wir wieder die stark befahrene Hauptstraße A 82 nehmen, welche direkt am Loch Linnhe vorbei führt. Zudem fing es an ordentlich zu regnen.

A 82

Vom Wasser her wehte uns ein starker Wind entgegen. Wir kämpften uns die knapp 25 Km durch das nasskalte Wetter, ohne eine Pause zu nehmen. Da wollten wir jetzt einfach nur durch. Vor der Brücke nach Glencoe und bevor links der Loch Leven abging, fanden wir eine Bushaltestelle, in der wir uns wieder aufwärmten und etwas aßen. 

Pause im Trockenen

Dank der guten atmungsaktiven Eigenschaften unserer Kleidung wurden diese schnell wieder trocknen.

Wir setzten nun den Weg auf der Nebenstraße rund um den Loch Leven fort. Was für eine herrliche ruhige und landschaftlich imposante Strecke. Rund um den See erhoben sich direkt die Berge aus dem Wasser. Zudem brach jetzt die Sonne durch die dicke Wolkendecke, was ein beeindruckendes Lichtspiel ergab.

Loch Leven Berge Glencoe auf der anderen Uferseite

Loch Leven Insel

Auf der nördlichen Seite des Sees führte die Straße auf Seehöhe bis zum Örtchen Kinlochleven, welches am Scheitelpunkt des Loch Leven lag. Hier legten wir eine kleine Pause an einem Wasserfall ein. Olli wurde auch gleich vom Rauschen des Wassers gefangen und schlief erstmal eine Runde.

Wasserfall Rastplatz

In Kinlochleven fanden wir einen kleinen Supermarkt, in welchem wir uns noch schnell mit Futter versorgten.

Kinlochleven Häuschen Kinlochleven

Olli wollte vorfahren, weil er eine Stelle zum Piseln gesucht hatte und dann dort auf uns warten. Wir folgten wenig später, nachdem wir unseren Einkauf in den Taschen verstauten. Doch Olli war spurlos verschwunden. Eine Autofahrerin konnte uns dann die Auskunft erteilen, dass sie in Glencoe einen rot-schwarz gekleideten Radfahrer gesehen hatte. Wenig später konnten wir ihn dann auch per Handy erreichen. Er war tatsächlich schon da. Also fuhren wir die restliche Strecke zu zweit weiter. Auf der südlichen Seite des Loch Leven setzte sich die Straße seitlich des Gebirges weiter fort, woraufhin wir nochmal einige Anstiege in Kauf nehmen mussten. Dafür hatte man jetzt einen schönen Überblick über den See.

und wieder bergauf Blick auf Loch Leven

Lichtspiele in Glencoe

In Glencoe angekommen suchten wir jetzt noch nach unserer Herberge und klopften prompt beim falschen Jugendhostel an. Wären wir doch nur 50m die kleine Waldstraße weiter gefahren, dann hätten wir uns die Peinlichkeit erspart.

Das falsche Hostel

In der richtigen Jugendherberge angekommen, wollte uns die Empfangsdame mit ihrer Fistelstimme in ein enges 10-Bettenzimmer stecken, wo bereits einige andere Abenteurer mit ihrem Gepäck hausten. Das ging mal gar nicht. Zurück zur Fistelstimme und kurz reklamiert, bekamen wir dann ein Sechser-Zimmer für uns ganz allein. Das Hostel stand immerhin zu 70% leer. Hier war auch gar nichts los gewesen.

Die Zeit des Wäschewaschens überbrückten wir mit leckerem Abendbrot. Pappige Nudeln in klebriger Sauce für Mario und Maddin. Olli machte sich leckere Glückstoaste. Beim Warten auf die Wäsche schlief Mario schon fast auf dem Küchentisch ein.

Lecker Klebstoff Glückstoast MÜDE

Als wir die Wäsche dann endlich herausnahmen, stellte er einen harten Gegenstand in der Tasche seiner Jacke fest. Glück gehabt. Der Tacho hatte die Prozeduren in der Waschmaschine und im Trockner überlebt.

Tacho gewaschen und getrocknet

Jacqueline-Marleen

Donnerstag, 20.06.2013

Glencoe - Crianlarich

 

Und wieder früh aufstehen. So langsam hatten wir unseren allmorgendlichen Rhythmus gefunden. Wach werden, Gliederschmerzen, Aufstehen, Frühstücken, Kaffee trinken, Taschen packen, diverse Toilettengänge erledigen, trödeln hier, trödeln da und so weiter. So richtige Frühaufsteher werden wir wohl nie werden. Als wir unseren Küchentisch deckten, waren die anderen Gäste schon längst wieder bei der Abreise zu ihren jeweiligen Touren. Naja so konnten wir unser Frühstück wenigsten in aller Ruhe genießen.

Frühstück

Gleich darauf mussten wir per E-mail noch eine Bankanweisung an die Kreditbank fertig machen, damit wir auch für die letzten Tage noch flüssig sind.

Bankanweisung

Dadurch verzögerte sich unsere Abreise wiederum zusätzlich. Die beiden Hostel-Damen gingen schon mit ihren Putzeimern durch die Räume und fegten auch uns dann im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Saal.

Schon auf den ersten Metern merkten wir wieder unsere Glieder und Muskeln. Deswegen hielten wir nochmal kurz an, um uns ordentlich durchzudehnen.

Da gehts Heute hin Die ersten Meter in die Berge

Was für unsere folgende Tour nach Crianlarich auch wichtig war. Denn heute ging es auf der A 82 wieder quer über die Berge vorbei am Winter-Ski-Gebiet des Glencoe-Skicenters. Insgesamt befanden wir uns ja bereits wieder auf dem Rückweg unserer Rundtour durch Schottland. Das stetige Bergauf und wieder Bergab konnte uns schon längst nicht mehr schocken. Vielmehr begegnete uns das schottische Land nun mit geringeren Temperaturen, Wind und Regen. Es war zwar kein Starkregen, aber in der gesamten Kombination machte das einen schon zu schaffen. Also rein in die Berge und durch. Oder erstmal meilenweit nach oben. Dazu gehört dann auch ein Siegerfoto von ganz oben.

Geschafft, auf dem Bergpass Siegerpose Mario Maddin uffm Berg

Die Landschaft hier oben war eher weniger ansehnlich. Die Berge waren wie kahl geschoren und die restliche Vegetation hielt sich klein. Einige Berge waren sogar noch mit Schnee bedeckt gewesen.

Schnee auf den Bergen kaum Vegetation

Da der Wind nicht aufhörte unentwegt zu wehen, suchten wir uns für unsere Pause eine windstille Ecke unter einer Brücke aus.

Pause Pause im Windschatten

Auf dem zweiten Teil unserer Tagesetappe hatten wir angedacht evtl. den Wanderweg zu nehmen. Weil dieser allerdings querfeldein über die Berge ging und es auf der A 82 gut voranging, blieben wir auch auf dem Asphalt.

Formgebungen der BergeWeiter auf der A82

Neben den imposanten Bergen rings um uns herum gab es nicht viel zu sehen. Dagegen zeigten sich zumindest die Mountains mit ungewöhnlichsten Formen.

Spitzberg imposante Berge

Auf der asphaltierten Straße erreichten wir relativ unspektakulär unsere Herberge in Crianlarich. Das Örtchen bestand aus nur wenigen Häusern, hatte aber zumindest einen kleinen Supermarkt mit einem EC-Automat. An der Bushaltestelle vor der Mini-Polizeistation fuhr einmal am Tag ein Bus vorbei.

Herberge

Auf Nachfragen erhielten wir in unserer Herberge ein eigenes Zimmer für uns allein, weil wir keine Lust mehr auf Mehrbettzimmer hatten. Dafür bekam Olli der alte Mann ein schönes Doppelbett zur Verfügung gestellt. Nur mit den zwei Kissen kam er wohl irgendwie in der Nacht nicht klar, wie er am nächsten Morgen berichtete.

Zimmer mit Waschbecken Doppelbett

Zum Abendbrot gab es wieder Leckereien aus der „self-cooking-kitchen“, versüßt mit einem leckeren Bierchen.

Nuuudeln Bierchen

Als Mario am Abend in der Lounge sein Elektronik-Equipment auspackte, stellte er verdutzt fest, dass er den Netzstecker-Adapter, den USB-Adapter und das Ladegerät zu seiner GoPro am Morgen in Glencoe vergessen hatte. Kein Wunder bei dem ganzen Stress den die Weiber da gemacht hatten, weil sie ihr verflixtes Hostel putzen wollten. Wenigstens hatten sie die Gerätschaften auffinden können. Aber wie jetzt zu uns bringen? Kompliziert. Wir machten mit ihnen aus, dass sie es zum Hostel nach Stirling schicken, wo wir dann bei unserer Ankunft in zwei Tagen für die Unkosten aufkommen würden.

Lounge-Ecke

Währenddessen gesellte sich eine einsame deutsche Wandersfrau zu uns, die glücklich war, mal wieder die deutsche Sprache mit berlinerischem Dialekt zu hören. Sie hatte am Nachmittag den einzigen Bus im Dorf verpasst und war schon vom Dorf-Sherif angesprochen worden. Herumlungern wird in Schottland nicht gern gesehen. Wir tauften sie auf den Namen Jacqueline-Marleen, weil sie ihren eigentlichen (sehr schönen) Namen nicht gerne preisgeben wollte. Sie hatte Schottland schon öfter besucht und bestieg die Berge gern im Alleingang. Daher konnte sie uns viel berichten. Gleichzeitig berichteten wir von unserem Rad-Abenteuer. Das war ein lustiger Abend.

Loch Earn

Freitag, 21.06.2013

Crianlarich - Comrie

 

Nach dem langen Abend in der Lounge taten wir uns am frühen Morgen gewohnt schwer mit dem Aufstehen. Maddin machte sich aus den übrigen Nudeln vom Vortag leckere Milchnudeln. Mario hatte sich scheinbar Erdbeer-Joghurt gekauft. Doch Löffeln ließ sich dieser eher schlecht, denn in der schicken Verpackung versteckte sich Sahne. Zusammen mit dem allmorgendlichen Instant-Kaffee schmeckte das ganz lecker, aber so viel Kaffee konnte man gar nicht trinken. Egal, dann wird die Sahne eben pur getrunken.

sahniger Erdbeer Joghurt

Bevor es auf die Tour ging, verabschiedeten wir uns von Jacqueline-Marleen mit dem Liedchen „Marleen, eine von uns beiden muss nun gehen“. Sie wollte nochmal einen Berg besteigen, bevor um 16 Uhr der Bus losfährt.

Gleich zu Beginn fing es wieder an zu regnen. Das scheint in Schottland ständig so zu sein. Nachmittags wurde das Wetter immer besser.

Bike-Garage Überflutung?

Nach einer kurzen Strecke auf der A 85 fuhren wir auf eine Nebenstraße ab, welche uns parallel zur Hauptstraße auf der anderen Seite des River Dochart Richtung Killin führte. Somit waren wir dem Straßenverkehr nicht mehr so ausgesetzt und konnten entspannt an entspannten Kühen und Schafen vor uns hin radeln.

River Dochartentspannte Kühe
entspannte Radler River Dochart

In Killin stießen wir wieder auf unsere Route vom National Cycle Network.

Killin Police Station Killin

Wir überlegten kurz an einem schönen Plätzchen in der Nähe eines Gewässers Rast zu machen, fuhren dann aber doch weiter und legten auf dem Berg unsere Pause ein. Doch auch hier war die Situation nicht viel besser. Während wir unsere geschmierten Brötchen verspeisten, fielen sämtliche Mückenarten über uns her. Darunter auch diese fiesen Kriebelmücken. Für die waren wir ein gefundenes Fressen, weil wir wahrscheinlich auch so lecker nach Schweiß rochen. Lange hinsetzen konnte man sich nicht, immer in Bewegung bleiben. Also setzten wir auch schnell unsere Fahrt wieder fort.

das große Fressen Futter

Steep Incline Auf und Ab

Unsere Route führte uns am Berghang entlang zum Loch Earn, wo wir wiederum die weniger befahrene Nebenstraße auf der Südseite wählten.

Schlucht Gebirgshang

Loch Earn Cruising

Diese Straßen sind von der Breite her nur für ein Fahrzeug ausgelegt. Um ein Überholen oder das Vorbeifahren an einem entgegenkommenden Fahrzeug zu ermöglichen gibt es an einigen Stellen Fahrbahnverbreitungen, die sich „Passing Place“ nennen. Dumm nur, wenn ausgerechnet dort zwei Schafe rum stehen.

Passing Place

Weil die Sonne sich wiedermal aus der Wolkendecke kämpfte, machten wir direkt am Wasser unsere zweite lange Pause und genossen den Ausblick.

Pause am Loch Earn Einfach mal Abschalten

Nach Comrie rein wollte Maddin nun die Pace machen. Die ganze Tour über hatte er sich immer geschickt im Hintergrund gehalten und den Windschatten genossen. Zwischendurch mussten wir kurz unterbrechen, weil bei einem Schaltvorgang Olli‘s Kette runtersprang. Die war aber schnell wieder eingehangen.

Kette einlegen

Und weiter ging es mit vollem Tempo. Weil das hier so gut lief, blieben wir bis Comrie auf der asphaltierten Hauptstraße.

Comrie

In Comrie erwartete uns Agnes in ihrem Bed&Breakfast. Ein gemütliches kleines Häuschen direkt im Ort. Nach dem Duschen spazierten wir noch durch die wenigen Straßen. Im Town-House fand heute ein Akustik-Gitarren-Event statt.

Spaziergang Town House Comrie

Wir überlegten, dort später vorbei zu schauen. Da wir aber bei Agnes seit langem mal wieder „free WiFi“ hatten, machten wir es uns im Anschluss im Wintergarten gemütlich und gingen wiedermal viel zu spät ins Bett.

Stirling

Samstag, 22.06.2013

Die Nacht bei Agnes war mal wieder viel zu kurz. Umso mehr freuten wir uns auf das am Vortag bestellte typisch schottische Frühstück. Leckeres Spiegelei zusammen mit Schinken, Würstchen und Blutwurst. Dazu Kaffee und Toast. Herrlich. Kurzerhand waren unsere Mägen auch schon gut gefüllt.

schottisches Frühstück  Olli würzt nach Lecker Lecker

Agnes hatte am Vortag sogar unsere Wäsche gewaschen. Doch irgendwie roch die jetzt komisch. Insgesamt war es im ganzen Haus sehr feucht gewesen. Und der Teppichboden in unserem Zimmer war auch nicht der sauberste.

Als wir unsere Fahrräder aus dem Unterstand holten, brach plötzlich das schottische Wetter über uns herein. Innerhalb weniger Minuten stand der Garten unter Wasser und wir entschlossen uns, unsere Regenanzüge anzuziehen.

  Good Bye

Wir verabschiedeten uns noch höflichst bei der freundlichen Agnes mit einem Gruppenfoto und machten uns auf den Weg nach Stirling. Doch schon nach zwanzig Minuten und den ersten Steigungen mussten wir eine Pause einlegen. Die Regenkleidung war die Hölle. Durch die geringe Atmungsaktivität waren wir förmlich von innen nasser als durch den Regen von außen. Also kurz umgezogen und weiter ging es.

 

Das Wetter war ohnhin in den letzten Tagen sehr wechselhaft. Wir hatten mit allen Widrigkeiten kämpfen müssen. Von Sonne, Regen, Kälte und Wind war alles dabei gewesen. Manchmal auch alles gleichzeitig.

 

Und dann erreichten wir Stirling. Oder doch nicht.

  River Forth 

Irgendwie kamen wir mit den örtlich ausgeschilderten Radwegen und Olli's Navigationssystem durcheinander. So umkurvten wir die Stadt erstmal in sicherer Entfernung von 5 Km. Erst als wir den River Forth überquerten erreichten wir die Stadt von hinten durch die kalte Küche. Hier war der River Forth noch recht schmal im Vergleich zum Firth of Forth. Um zu unserer Herberge zu gelangen mussten wir nun jedoch wieder bergauf. Die befand sich in unmittelbarer Nähe zum Old Town Jail und zum Castle of Stirling. Das treibte unseren Puls nochmal an die Grenzen.

   endlich geschafft Einfahrt zur Herberge

Die Jugendherberge war wohl mal eine alte Kirche gewesen. Die Fahrräder waren hier jedenfalls sicher.

Bike Shelter eingesperrt

 Endlich angekommen, bezogen wir unser Dreibettzimmer und gingen anschließend wieder in die Stadt runter zum Einkaufen. Mario musste bei der Post noch ein Paket nach Glen Coe fertig machen und abschicken, damit die Jugendherberge dort ihm das Zubehör seiner GoPro wieder nach Deutschland schicken kann. Der Postangestellte war "absolutely" in Ordnung. Dabei verursachten wir erstmal "absolutely" einen Stau, als wir das Paket im Paket zusammen stellten. Aber das sollte "absolutely" funktionieren.

Old Town Jail

immer diese Touries Feuer frei

Am späten Abend gönnte jeder sich eine Auszeit. Olli schnarchte schon recht früh auf seinem Bett weg, während Mario am Blog weiter schrieb. Maddin schnappte sich seine Kamera und machte spektakuläre Nachtaufnahmen von Stirling und dem Castle.

Jugendherberge Stirling by Night

Stirling Castle bei nacht

 

 

per Dreirad nach Edinburgh

Sonntag, 23.06.2013

Heute ist Sonntag. Der 14. Tag auf Reisen. Gehen wir uns tatsächlich schon seit 2 Wochen auf die Senkel? Heute stand die 12. und somit letzte große Rad-Etappe in Schottland an. So richtig realisierten wir das noch nicht. Es war ja eine Rundreise durch die schottischen Mountains, doch wir befanden uns tatsächlich auf dem Rückweg. Die Berge und so auch viele Strapazen hatten wir hinter uns gelassen. So sollte diese letzte flache Etappe entlang des Firth of Forth und über ihn hinweg, auch wenn sie etwas länger war als die vorherigen, doch relativ entspannt sein.

...Doch es vergeht wohl kein Tag ohne irgendwelche Überraschungen. Und dieser letzte Tag hatte es in sich.

am frühen Morgen Vorbereitungen

Wir hatten gut gefrühstückt, standen pünktlich vor dem Bike-Shelter, holten die Räder raus und jeder traf seine Vorbereitungen. Wir wollten ja heute etwas früher los. Doch "Pannen-Olli" machte uns einen Strich durch die Rechnung. Oder eher ein erneuter Speichenbruch an seinem Hinterrad.

Sabotage!!! Oder doch Ermüdungserscheinungen am Material?

Speichenbruch Sabotage

Aber wie jetzt einen Fahrradmechaniker oder eine Radwerkstatt finden. Es war Sonntag!!! Durch die Rezeption erfuhren wir, dass im Gewerbepark etwas außerhalb von Stirling verkaufsoffener Sonntag war. Im dortigen "Halfords" soll es auch eine Fahrradabteilung geben. Also Abmarsch. Schnell dorthin. Sollte das Rad nicht zu reparieren gehen, gab es noch die Möglichkeit für Olli mit dem Zug nach Edinburgh zu fahren. Doch das wollten wir uns nicht geben. Es war die letzte Etappe. Wir hatten die ganzen zwei Wochen durchgehalten. Von einer gebrochenen Speiche lassen wir uns nicht unterkriegen.

Vor dem Halford Shopping Center

Im Halford-Markt begegneten wir einem engagierten Verkäufer, der für seine Studienzeit ein 3/4-jahr in Deutschland verbracht hatte. Er sprach sogar ein paar Brocken Deutsch, besser als Olli Englisch sprach.  Wir kamen gut ins Gespräch und er machte uns ein gutes Angebot. Da sie keine einzelnen Speichen zur Verfügung hatten, musste Olli ein komplettes Hinterrad kaufen. Weil die Jungs so gut waren, zogen sie auch gleich die Zahnkränze rauf, montierten das neue Hinterrad und berechneten nicht einmal irgendwelche Werkstattkosten. Perfekt. Jetzt konnten wir die letzte Etappe angehen. Olli fortan mit einem Dreirad.

Auf geht's per Dreirad nach Edinburgh

So schnell kamen wir die letzten zwei Wochen selten voran. Keine lästigen Steigungen. Kein heftiger Wind oder Regen. Schnell erreichten wir die Forth Road Bridge.

Anfahrt zur Forth Road Bridge Gruppenfoto

Nicht nur die Größe der Brücke beeindruckte uns. Der Wind und der mächtige Wolkenhimmel taten ihr übriges dazu. Man spürte die Urgewalt der Natur und die Nähe zum Meer.

Eindrucksvoll Eisenbahnbrücke Eisenbahnbrücke

Mitten auf der Brücke begegneten wir plötzlich völlig eigenartigen Fabelwesen. Spielte unser Verstand schon verrückt. Nein, es waren Schotten. Irgendjemand erzählte etwas von einem "Family-Day". Welche Tradition sich jedoch dahinter verbarg, hatten wir nicht ganz verstanden und radelten einfach weiter.

Komisches blondes Tierchen Ganzkörper Kostüme

Nachdem wir die Forth Bridge überquerten suchten wir vergebens nach unserem Radweg. Irgendwie befanden wir uns auf einer fetten Autobahn. Erst als wir unsere Räder über eine Baustelle hieften, erreichten wir den eigentlichen Radweg. Doch irgendwie hörten die Unwägbarkeiten nicht auf. Der Radweg war links und rechts mit dickem Dickicht umschlossen und plötzlich mit einem Geflecht aus drei bis vier Bauzäunen versperrt gewesen. ...Achso, deswegen die Baustelle vorhin.  Aber nicht nur dass diese blöden Bauzäune einfach nur so da standen. Die waren auch noch mehrfach mit Kabelbinder verbunden. Verflucht!!! Da half nur noch rohe Gewalt. Aber wenigsten haben wir sie danach wieder ordentlich hingestellt.

Verdammt Der Bauzaun muß weg schnell durch Alles wieder so hinstellen wie vorher

Über diesen Radweg erreichten wir Edinburgh unproblematisch. Auf dem Weg dorthin feierte Mario's Rad seinen 1500-ten Kilometer-Geburtstag. Das musste natürlich festgehalten werden.

1500 Kilometer

Am Ende des Radweges trafen wir auf eine Radfahrervereinigung, welche uns den richtigen Weg stadteinwärts zeigten. Sie gaben uns gleich noch diverse Übersichtskarten mit. Der Verein kämpft in Schottland für mehr Radwege. Das Radfahren und der Radtourismus sind noch nicht so sehr verbreitet wie bei uns.

Edinburgh Edinburgh

In der Stadt trennten wir uns. Olli wollte direkt zum Hostel fahren, während Mario und Maddin die Chance nutzten und noch bei Tageslicht ein wenig von Edinburgh und seiner City kennen zu lernen.

Edinburgh

Wir fuhren hier durch herrliche kleine Gassen mit vielen touristischen Einkaufsmöglichkeiten. Soviel Trubel und Straßenverkehr waren wir nicht mehr gewohnt. So suchten wir nach dem Hostel, wo Olli sich schon die E..r schaukelte. Über den Handy-Navi-Such-Modus wurden wir in die Cowgate geführt. Nur dass hier nirgends ein Hostel stand. Die Gegend war eher unheimlich. Die Leute waren über unseren Anblick sehr verwundert. schnell suchten wir die Hauptstraße und fuhren zurück Richtung City und konnten irgendwann dann auch das Hostel erreichen. Hier wollten die Herrschaften uns mal wieder in eine 8-Bett-Stube einquartieren. Die war jedoch schon zur Hälfte mit anderen stinkenden Travellern belegt. Nicht mit uns. Nicht am letzten Tag. Nicht in der letzten Nacht. Wir wollten unsere Ruhe haben und buchten schnellstmöglich um.

Am Abend wollten wir Edinburgh noch ein wenig mehr kennen lernen. Mario und Maddin gingen in ein typisches Pub und schauten bei leckerem Bier Fußball.

schotisches Bier im schottischen Pub Abends in Edinburgh

Anschließend liefen wir noch durch die Stadt und waren von der Schönheit überwältigt.

castle Der Himmel über Edinburgh

Viele Geschäfte hatten noch bis spät abends offen. So wollten wir uns ein Wege-Bier zum Hostel kaufen. Doch es war bereits 22:05 Uhr und der Verkäufer riss Mario gleich das Bier aus der Hand, als dieser damit zur Kasse gehen wollte. In Schottland ist wohl der Alkoholverkauf nach 22.00 Uhr unter Strafe gestellt. Verdammt. Also blieben wir weiter durstig.

gute Nacht

Abreise

Montag, 24.06.2013

Aufstehen Tasche packen

Heute ist Abreisetag.

Umwege Kellergewölbe Abreise

Der Bahnhof war nur unweit vom Hostel entfernt. Also holten wir uns im nächsten Tesco-Markt ein wenig Verpflegung für die Zugfahrt.

Obstschale

Olli wartete schonmal am Bahnhof während Mario und Maddin noch schnell in die Tourismusgasse liefen und sich Andenken kauften. Als wir dann eigentlich fertig waren und in den Bahnhof gehen wollten, merkte Maddin, dass er sich ein XXL-T-Shirt gekauft hatte. Also sprintete er nochmal schnell los um es umzutauschen. Also liefen wir wieder auf dem letzten Drücker in den Bahnhof ein.

On Time

Im Bahnhof mussten wir uns dann erstmal orientieren. Unser Zug stand zwar auf der Tafel, aber ohne Angabe eines Zuggleises. Auf Nachfrage wurde uns erklärt, dass die Bahngleise hier "on-time" bekannt gegeben werden. So warteten also hunderte Menschen bis das Zuggleis bekannt gegeben wurde und bewegten sich dann wie Lemminge zum Gleis. Nur das zum Glück keiner runter fiel. Das war ein ordentliches Gedrängel.

Schnell zum Zug

Beim Verstauen unserer Räder und Gepäcke stand dort schonwieder so ein desinteressiertes Exemplar von Zugbegleiterin. Die hätte den Zug auch ohne uns oder das Gepäck losgeschickt.

Ohne weitere Probleme erreichten wir mit dem Zug Newcastle.

Newcastle

Hier kannten wir uns ja inzwischen ein wenig aus und fuhren durch die Innenstadt runter zum Fluß.

Innenstadt River Tyne

Das letzte große Hindernis erwartete uns mitten auf dem Radweg, konnte uns jedoch nicht mehr aufahlten.

Landmine Hadriansweg

Auf dem "Hadriansweg" fuhren wir zurück zum Hafen. Es fühlte sich an, als wäre es erst gestern gewesen. Zu schnell verging doch die Zeit.

Hafeneinfahrt Da steht sie Princess Seaways

Auf dem Schiff angekommen verstauten wir unsere Räder auf dem Unterdeck hinter einem riesigen Lkw. Unsere Kabine befand sich wie auch schon auf der Hinreise noch tiefer im Schiffsbauch und nach einiger Zeit fanden wir diese dann auch. Als das Schiff ablegte, schauten wir mit Wehmut auf das englische Land zurück.

Hafenausfahrt Good Bye Scotland

Die Zeit der Überfahrt vertrieben wir uns mit dem Schreiben des Blogs, Bierchen trinken und der Roulettedame bei ihrer Arbeit zuschauen.

Prost

Als Maddin dann zurück in der Kabine seine Sachen zusammen suchte, fehlte ihm irgendwie seine Lieblingssocke. Die war spurlos verschwunden. Was für ein großer Verlust. Hat bestimmt Madame Agnes als Andenken in ihrer Waschmaschine behalten.

 

 

Amsterdam

Dienstag, 25.06.2013

Kopfüber Kopfüber 

Lächelnd

Mit einer Stunde Zeitverschiebung kamen wir in Amsterdam an. Trotzdem hatten wir ausreichend schlafen können.

Der Frühe Vogel Maddin Warten

Das Ablegen hat dann doch eine Weile gedauert, weil wir auf dem Deck an den Lkw's nicht vorbei kamen.

Vorbereitung zum Ablegen Gleich gehts los

Wieder auf festem Boden

Richtung Amsterdam Zentrum mussten wir jetzt einen 30 Km langen Radweg nehmen, der perfekt ausgeschildert und ausgebaut war. Bei herrlichstem Wetter gaben wir richtig Gas. Jede Menge Radrennfahrer säumten hier die Straße.

 Radweg nach Amsterdam herrliches Wetter

kurzer Stopp und weiter

In Amsterdam angekommen hatten wir noch jede Menge Zeit, bis unser Zug nach Berlin abfuhr. Wir ließen uns am Brunnen auf dem großen Platz nieder und versorgten uns mit fettem Burger King Fraß. Mario ging mal wieder auf Souvernir-Suche. Maddin brauchte unbedingt noch eine Briefmarke. Dabei geriet er mit einem holländischen Postangestellten zusammen. Der total erbost darüber, dass Maddin nur eine einzelne Briefmarke wollte. Die Dinger gibt es nur im Fünferblock. Sowas engstirniges, aber das hatten wir auf der Reise ja schon öfter erlebt.

in Amsterdam Souvenirs ohne Ende

Gut ausgeruht ging es dann zum Bahnhof. Holland ist ja als Land der Fahrräder bekannt, aber ein dreistöckiges Fahrrad-Parkhaus hatten wir noch nicht gesehen.

Fahrradständer / Parkhaus Bahnhof Amsterdam Centraal

Zurück in die Heimat

Dienstag, 25.06.2013

Mit dem Niederlande - Express ging es jetzt zurück in die Heimat. So stellten wir uns das Zugreisen mit dem Fahrrad vor. Ausreichend Platz und die Sitzplätze in unmittelbarer Nähe zu den Rädern.

Aufgehangen Aufgehangen

Mario wollte sich seiner Radbekleidung entledigen und zog sich im Abteil-WC um. Dumm nur, dass wir genau in diesem Moment die deutsch-holländische Grenze passierten. Die Zollbeamten warteten natürlich jetzt erst recht vor dem WC. Aber mit Drogen hatte wir nichts am Hut.

Olli in Gedanken Blond 4.0

Die Fahrt war lang, also versuchten wir uns irgendwie zu beschäftigten. Maddin trank ein Bier, das nach Mario benannt wurde und geisterte danach durch den Zug.

Maddin geistert im Zug herum

Je näher wir der Heimat kamen, desto mehr spannen wir herum und verwandelten uns in wunderhübsche schottische Topmodels. Mit blondem Haar... an den Armen.

Verwandlung

Am späten Abend erreichten wir dann Berlin. Wir waren einerseits geschafft, andererseits traurig, dass der Trip tatsächlich schon zuende war. Zwei Wochen gingen wir uns auf die Nerven und durchlebten ein echt tolles Abenteuer. Die Verabschiedung fiel dementsprechend schwer. Aber mit den Erinnerungen im Gepäck ging es jetzt zurück zur vertrauten Familie und unseren Liebsten nachhause.

umgestiegen Warten auf die Ankunft

In Gedanken versunken blickten wir zurück. Insgesamt hatten wir circa 800 km durch die schottischen Highlands zurückgelegt. Allen Umständen, Widrigkeiten und Anstrengungen hatten wir getrotzt und einen ganz besonderen Urlaub erlebt.

Ankunft in Berlin

Wir werden uns diesen Blog immer wieder anschauen und an die schöne Zeit zurückdenken.